In weniger als zwei Wochen verübte die Islamische Republik – wie in den vergangenen 47 Jahren ihrer blutigen Herrschaft – Verbrechen in einem erschreckenden Ausmaß. Es trat ein, was viele befürchtet hatten: „Die Regierung füllte die Gefängnisse und Friedhöfe mit Demonstrant:innen.“

Die Machthaber konnten ihre Massaker klammheimlich ausführen, da sie alle Kommunikationskanäle – vom Internet über SMS bis hin zu den Telefonleitungen – lahmgelegt hatten. Die Opfer wurden als „Randalierer“ und „Feinde“ bezeichnet, was den Weg für die Fortsetzung des brutalen Kriegs gegen die eigene Bevölkerung ebnete. Verletzte wurden aus den Krankenhäusern verschleppt, Tote heimlich begraben, Leichen in Lagerhäusern gestapelt oder in Anhängern abgelegt, und die trauernden Familien mussten zwischen Leichenbergen nach ihren Angehörigen suchen. Tausende Menschen – Kinder, Jugendliche und ältere Menschen – wurden verhaftet. Die Zahl der Verschwundenen aus den letzten 47 Jahren ist erneut angestiegen. Durch permanente Einschüchterung versucht der Staat, die Zeugen der Verbrechen, darunter auch medizinisches Personal, zum Schweigen zu bringen. Aufgrund der grausamen Unterdrückung und der erzwungenen Gleichschaltung der Medien konnte die Regierung alle Vorkommnisse in ihren eigenen Medien als triumphales Spektakel inszenieren.

Die unerbittliche Welle von Tod und Verderben hat eine trauernde und verwundete Gesellschaft in einen Schockzustand versetzt, sodass ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel durch die Bevölkerung nahezu unmöglich scheint. Das erschreckende Ausmaß der Verbrechen des Regimes hat aber auch ausbeuterische Mächte [gemeint sind wohl die USA, Anm. d. Übers.] auf den Plan gerufen, die ihre eigene blutige Kolonialgeschichte hinter der Maske des „Retters” verbergen, um das Blutvergießen und den Volksaufstand für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Diesen Kräften dient der Traum von der Freiheit zur Rechtfertigung einer militärischen Intervention, und sie werden zweifellos versuchen, ihre eigenen Pläne auf den Trümmern des Landes durchzusetzen. Aber die Wahl zwischen den herrschenden reaktionären Kräften im Iran und den ausbeuterischen Mächten und ihren Handlangern [wohl eine Anspielung auf den Sohn des letzten Schahs und seine Anhängerschaft, Anm. d. Übers.] ist kein unvermeidliches Schicksal. Die Geschichte von Aufständen, Unterdrückung und erneuten Aufständen zeigt, dass die Entschlossenheit und der Wille der Menschen, die unter Korruption, Diskriminierung und Ungleichheit leiden, nicht nachlassen werden. Die Bevölkerung wird sich weiterhin gegen ihre politischen Machthaber und gegen das Kapital organisieren. Letztendlich sind es die Menschen im Iran, die über ihr eigenes Schicksal entscheiden werden.

Aller Unterdrückung zum Trotz setzt sich die Iranische Schriftstellervereinigung seit Jahren unermüdlich für uneingeschränkte Meinungsfreiheit ein. Sie steht konsequent an der Seite der unterdrückten und freiheitsliebenden Menschen im Iran und wird nicht müde, ihre Stimme zu erheben, bis all jene, die Verbrechen angeordnet oder ausgeführt haben, vor ein faires und öffentliches Gericht gestellt werden. Die Iranische Schriftstellervereinigung ruft alle freiheitsliebenden Schriftsteller:innen und Organisationen auf der ganzen Welt dazu auf, den Iran nicht aus den Augen zu verlieren und für die Protestbewegung, die Überlebenden und die Inhaftierten einzutreten.

  1. Jänner 2026

 

Die Iranische Schriftstellervereinigung wurde 1968 [noch während der Regierung des Schahs, Anm. d. Übers.] von Intellektuellen und Schriftsteller:innen gegründet, um die Meinungsfreiheit zu fördern und die Zensur zu bekämpfen.

Die Vereinigung wurden von den Behörden der Islamischen Republik im Jahr 1981 verboten. Im Jahr 1993 versammelte sich eine Gruppe von Schriftsteller:innen, um die verbotene Organisation wiederzubeleben. Am 8. September 1996 wurden zwölf Schriftsteller:innen, die sich getroffen hatten, um ein neues Statut für die Vereinigung auszuarbeiten, verhaftet, verhört und vor der Abhaltung weiterer Treffen eindringlich gewarnt. Bereits in den Jahren zuvor waren Vorstand und Mitglieder der Schriftstellervereinigung systematischer Verfolgung und langen Haftstrafen ausgesetzt. Einige fielen sogar gezielten Mordanschlägen zum Opfer. Im Zeitraum von zehn Jahren (1988 bis 1998) wurden mehrere oppositionelle Intellektuelle, die sich kritisch gegenüber der Islamischen Republik geäußert hatten, zum Verschwinden gebracht, deren Leichen später gefunden wurden.

Die Vereinigung setzt sich indessen weiterhin für das Recht auf freie Meinungsäußerung und gegen Zensur ein.

 

Übersetzung: E.F.

Quelle: https://internationalviewpoint.org/The-Massacre-of-Protesters-Will-Not-Block-the-Path-to-Freedom