von Josef Baum

Das obligate Babler-Bashing nach der Gemeinderatswahl in St. Pölten vergisst einiges:

  1. Ich bleib dabei: Das Wichtigste bei der Wahl war der Einzug von Max Zirngast (KP) mit großem Potenzial für NÖ à la Salzburg.
  2. Die SP wird in St. Pölten sowieso weiter den Ton angeben. Jedenfalls in St. Pölten ist da keine Panik vor rechts angesagt.
  3. Die FP setzte nur auf das Ausländerthema. Die Zugewinne der FP sind unter den Erwartungen – das sehe ich, man wird ja bescheiden, positiv und es spricht für den Zusammenhalt in St.Pölten. Die FP ging nach Strache von einem niedrigen Niveau aus und hatte schon 26 % bei der Nationalratswahl, jetzt unter 20 %.
  4. Dass die VP nicht mehr verlor, kann ich zugegebenermaßen nicht gut erklären. Außer dass die VP halt in St. Pölten doch einen Grundstock hat; bei der letzten Landtagswahl war sie mit 30 % immerhin die stärkste Partei, und sie war auch bei früheren Bundes- und Landeswahlen außer zuletzt in St. Pölten meist erste.
  5. Natürlich hat das SP-Ergebnis auch Ursachen in St. Pölten selbst, das übermäßige Selbstbewusstsein, der offensichtliche Kontaktverlust und mangelnde Bildungsarbeit (die bürgerliche Hegemonie in den Köpfen zurückdrängen sollte).
  6. Im Vergleich zur Nationalratswahl gibt es interessanterweise im Wesentlichen eigentlich nur eine Verschiebung von jeweils 6% von den Neos und der SP zur FP, ein Rechts-Rechts-Triumph sieht anders aus.
  7. Mangelnde Öko-Sensibilität der Stadtführung hat zu einem (erfreulichen) Gewinn bei den Grünen geführt.
  8. Die Neos haben mit Glück ihr Mandat gerade noch gerettet.
  9. Wenn die SP Niederösterreich unter Sven Hergovich glaubt, wieder durch Babler-Bashing punkten zu können, sollte sie sich die Frage stellen, welchen Anteil ihr Kurs an dem Ganzen hat.
  10. In St. Pölten hat die Arbeiterbewegung eine große Geschichte, für die sich niemand zu schämen braucht (1). Im Gegenteil: Durch den Wiedereinzug der KP wird daran positiv auf aktuelle Art angeschlossen werden. Und das wird auf ganz NÖ ausstrahlen.

27.1.2026

Fußnote: 

(1) In einem Facebook-Kommentar zur Analyse von Josef Baum merkt Niklas Perzi an: „In St. Pölten hat auch der vor allem von Arbeitern der damals großen Industriebetriebe und von Eisenbahnern getragene Widerstand gegen das NS-Regime eine große Geschichte. St. Pölten gilt als Stadt mit dem prozentuell höchsten Widerstand überhaupt. Nur gibt’s die klassischen „Arbeiter“ in St. Pölten – sieht man von der ÖBB ab – kaum noch, da es wie in anderen Städten auch zu einem massiven Abbau von Betrieben und Stellen gekommen ist. Ich vermute die KPÖ-Wähler(innen) daher woanders. (Bis 1982 waren es sehr wohl Arbeiter, vor allem aus der „Glanzstoff“, wo es eine große KP-Gewerkschaftsfraktion gab:)“

Wir danken Josef Baum für das Einverständnis, seine Analyse (via Facebook) auf unserer Website zu posten.