von Josef Baum
Das obligate Babler-Bashing nach der Gemeinderatswahl in St. Pölten vergisst einiges:

- Ich bleib dabei: Das Wichtigste bei der Wahl war der Einzug von Max Zirngast (KP) mit großem Potenzial für NÖ à la Salzburg.
- Die SP wird in St. Pölten sowieso weiter den Ton angeben. Jedenfalls in St. Pölten ist da keine Panik vor rechts angesagt.
- Die FP setzte nur auf das Ausländerthema. Die Zugewinne der FP sind unter den Erwartungen – das sehe ich, man wird ja bescheiden, positiv und es spricht für den Zusammenhalt in St.Pölten. Die FP ging nach Strache von einem niedrigen Niveau aus und hatte schon 26 % bei der Nationalratswahl, jetzt unter 20 %.
- Dass die VP nicht mehr verlor, kann ich zugegebenermaßen nicht gut erklären. Außer dass die VP halt in St. Pölten doch einen Grundstock hat; bei der letzten Landtagswahl war sie mit 30 % immerhin die stärkste Partei, und sie war auch bei früheren Bundes- und Landeswahlen außer zuletzt in St. Pölten meist erste.
- Natürlich hat das SP-Ergebnis auch Ursachen in St. Pölten selbst, das übermäßige Selbstbewusstsein, der offensichtliche Kontaktverlust und mangelnde Bildungsarbeit (die bürgerliche Hegemonie in den Köpfen zurückdrängen sollte).
- Im Vergleich zur Nationalratswahl gibt es interessanterweise im Wesentlichen eigentlich nur eine Verschiebung von jeweils 6% von den Neos und der SP zur FP, ein Rechts-Rechts-Triumph sieht anders aus.
- Mangelnde Öko-Sensibilität der Stadtführung hat zu einem (erfreulichen) Gewinn bei den Grünen geführt.
- Die Neos haben mit Glück ihr Mandat gerade noch gerettet.
- Wenn die SP Niederösterreich unter Sven Hergovich glaubt, wieder durch Babler-Bashing punkten zu können, sollte sie sich die Frage stellen, welchen Anteil ihr Kurs an dem Ganzen hat.
- In St. Pölten hat die Arbeiterbewegung eine große Geschichte, für die sich niemand zu schämen braucht (1). Im Gegenteil: Durch den Wiedereinzug der KP wird daran positiv auf aktuelle Art angeschlossen werden. Und das wird auf ganz NÖ ausstrahlen.
27.1.2026
Fußnote:
(1) In einem Facebook-Kommentar zur Analyse von Josef Baum merkt Niklas Perzi an: „In St. Pölten hat auch der vor allem von Arbeitern der damals großen Industriebetriebe und von Eisenbahnern getragene Widerstand gegen das NS-Regime eine große Geschichte. St. Pölten gilt als Stadt mit dem prozentuell höchsten Widerstand überhaupt. Nur gibt’s die klassischen „Arbeiter“ in St. Pölten – sieht man von der ÖBB ab – kaum noch, da es wie in anderen Städten auch zu einem massiven Abbau von Betrieben und Stellen gekommen ist. Ich vermute die KPÖ-Wähler(innen) daher woanders. (Bis 1982 waren es sehr wohl Arbeiter, vor allem aus der „Glanzstoff“, wo es eine große KP-Gewerkschaftsfraktion gab:)“
Wir danken Josef Baum für das Einverständnis, seine Analyse (via Facebook) auf unserer Website zu posten.


