Rezensionen

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Jürgen Habermas – eine Würdigung. Die Entzauberung rätselhafter Institutionen

Mit Jürgen Habermas ist am 14.März der prominenteste noch lebende Vertreter der Frankfurter Schule gestorben. Er hat ihren kritisch-marxistischen Ansatz weiter entwickelt und sich regelmäßig in die großen politischen Debatten eingemischt – von der Auseinandersetzung mit der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre über den Historikerstreit bis hin zur Verteidigung einer republikanischen politischen Identität.

2026-05-04T23:45:20+02:004. Mai 2026|

Die Straßen von Algier – Erfahrungen des Kolonialismus prägen französische Theorie

Viele bekannte französische Theoretiker:innen der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts haben auf die eine oder andere Art einen »kolonialen Hintergrund« mit einer konkreten biografischen Realität. Der Historiker und Kulturwissenschaftler Onur Erdur untersucht in seinem unterhaltsamen und bebilderten Essay genau diese individuellen räumlichen Erfahrungen und ihren Einfluss auf die Theorie. Es waren nicht nur die legendären Pariser Bibliotheken, sondern auch die Straßen Algiers und der Strand von Tunis, die den Raum für Theorie bildeten.

2025-10-05T23:07:26+02:005. Oktober 2025|

Düsteres Verlangen. Das Filmfestival in Locarno 2024

Juryentscheidungen sind häufig Kompromisse. Dies gilt wohl auch die Preisverleihung des »Goldenen Leoparden« an den litauischen Film Akiplesa (Regie: Saula Biluvalté). Der Film erzählt die Geschichte einer Mädchenfreundschaft rund um eine erhoffte Modelkarriere. Zwei Außenseiterinnen halten gegen Mobbing zusammen, machen sich Gedanken über schlanke Körper, aber mehr noch über das Entfliehen aus der Provinz in die große Stadt. Der Film ist ein intimes Porträt, sensibel erzählt. Was Akiplesa aber nicht war: der Höhepunkt des Festivals. Da standen mehrere bemerkenswerte Filme zur Auswahl.

2024-10-07T12:35:11+02:007. Oktober 2024|

Was gesund erhält und was krank macht: Die entscheidenden Determinanten von Krankheit sind ­gesellschaftlich

Der Aufstieg der Naturwissenschaften im 19.Jahrhundert befeuerte die Illusion, Krankheiten seien durch medizinische Maßnahmen zu »besiegen« oder gar durch eine erbbiologisch basierte Bevölkerungspolitik »auszumerzen«. Doch gab es innerhalb der Medizin auch kritische Stimmen, bspw. die von Rudolf Virchow. Er führte Krankheiten wesentlich auf mangelhafte soziale Verhältnisse zurück. Deshalb plädierte er für eine »soziale Medizin«, die die Arbeits-, Wohn- und Ernährungsverhältnisse in den Blick nimmt.

2023-04-26T16:25:36+02:0016. Februar 2023|