Chlorophyllkonzentration (Indikator für die Ausbreitung der Algen) vor der Küste IsraelsStand: gestern. Rot – sehr hohe Konzentration; Blau-Violett – niedrige Konzentration. Foto: Sentinel-3-Satellitensystem

Einer der zerstörerischsten Prozesse, die der Zionismus vorantreibt, ist die ökologische Zerstörung. Unter der kolonialistischen Ideologie der „Blühenden Wüste“ verwandelte Israel Wüstengebiete in landwirtschaftliche Flächen, durch wassersparende Bewässerungstechnologien (mit Tröpfchenbewässerung zum Beispiel) und die Fähigkeit zur Entsalzung von Meerwasser (eine Technologie, die Israel auch exportiert). Die Entsalzung von Meerwasser erzeugt die Illusion, dass es sich um eine unendliche natürliche Ressource handelt, sodass Israel leben kann, als wäre dort keine Wüste bzw. Grenze. Das ist auch die Illusion, auf der das Geschäftsmodell der Golfstaaten basiert: Sie haben viel Öl, aber es fehlt ihnen an Wasser, und durch Tauschhandel lebten sie, als hätten sie alles. Wenn die Straße von Hormus geschlossen ist und sie keine Gemüse- und Obstimporte mehr tätigen können, zerbricht die Illusion.
Das geschah auch in Israel in der vergangenen Woche, als Israel gezwungen war, fünf seiner sieben Entsalzungsanlagen abzuschalten, die ein Drittel des Wasserverbrauchs der Einwohner des Landes liefern, die den Sommer mehr oder weniger genießen, während sie weiterhin Gaza, die Westbank, den Libanon und Syrien bombardieren.
Die Entsalzungsanlagen funktionieren, indem sie Druck auf salzhaltiges Meerwasser ausüben und eine Umkehrosmose bewirken, das heißt, das Austreten von Salzpartikeln aus dem Wasser und dessen Umwandlung in nicht-salzhaltiges Wasser. Israel braucht diese Wassermengen, weil es so viel Wasser für seine Landwirtschaft verbraucht hat, dass die Grundwasserschicht und sein einziger Süßwasserspeicher – der See Genezareth – in einem sehr erschöpften Zustand sind.
Die Entsalzungsanlagen sind große Industrieanlagen mit einer Vielzahl von Filtrations- und Bereinigungsmitteln, die äußerst empfindlich auf jede Umweltveränderung reagieren. Die hohe Konzentration von Algen und die Trübung des Wassers können die Membranen schädigen, in denen der Umkehrosmoseprozess stattfindet. Schäden an den Membranen können die Anlagen für längere Zeit lahmlegen.
In der Vergangenheit wurden in Israel einzelne Entsalzungsanlagen wegen Verschmutzungsproblemen oder Wassertrübung abgeschaltet, aber dies ist das erste Mal, dass Israel fünf Anlagen gleichzeitig abschaltet. Der Grund für die Abschaltung ist die Trübung des Meerwassers infolge eines massiven Wachstums kleiner Meeresalgen, die die Membranen der Anlagen passieren können. Das Meerwasser des Mittelmeers bis zur Küstenlinie südlich von Haifa ist aufgrund dieser Algen sehr trüb.
Die von der Firma Satelize durchgeführte Analyse ergibt, dass die Algenblüte im letzten Monat im Nildelta begann und von dort mit den Meeresströmungen ostwärts, durch den Bardawil-See und nordwärts in Richtung der Küsten des Gazastreifens und Israels getragen wurde. Verschiedene Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass es mehrere Faktoren gibt, die die Algenblüte möglicherweise verschärft haben: darunter Nährstoffe, die ins Meer eingeleitet wurden. Deren Quelle ist das Abwasser aus Gaza, das jetzt ins Meer geleitet wird, nachdem Israel das Wassersystem in Gaza zerstört hat, sowie all die Bombardierungen, die Israel durchgeführt hat. Dr. Avner Gross, Klimaforscher an der Ben-Gurion-Universität in Beer-Sheva (Bir Saba), der sich unter anderem mit dem Einfluss von Staubstürmen auf die Nährstoffversorgung der Ozeane befasst, verweist auf die großen Staubmengen, die von der enormen Zerstörung stammen, die Israel im Gazastreifen angerichtet hat, und behauptet, dass sie eine mögliche Erklärung für die Algenblüte sind.
„Algen brauchen drei Dinge: warmes Wasser, und das gibt es im August und besonders angesichts des Erwärmungstrends; Sonneneinstrahlung, die reichlich vorhanden ist; und etwas zu fressen“, sagt er. „Man muss in diesem Zusammenhang an einen Heuschreckenschwarm denken, der aus Ägypten kommt – wenn er unterwegs keine Weizenfelder findet, stirbt er. Das Mittelmeer ist arm an Nährstoffen. Damit eine so außergewöhnliche Blüte entsteht, brauchen wir eine Variable, die es vorher nicht gab.
Wir sehen, dass es im August einen Sturm im östlichen Becken des Mittelmeers gab. Die Algen, die sich regelmäßig an der Mündung des Nildeltas befinden, begannen sich noch vor diesem nordwärts zu bewegen. Wir haben die Abwassermengen in Gaza geprüft (etwa 55.000 Kubikmeter pro Tag, wie die Abwasserbehörde in Gaza veröffentlichte). Nach einer ersten Berechnung ist dies eine Menge, die etwa 20 % der von uns beobachteten Biomasse unterstützen könnte. Das heißt, das Abwasser hat die Blüte gefördert, aber es ist nicht der einzige Faktor. Ich schlage eine weitere Quelle vor, die zur Ernährung der Algen diente, und das ist der Kriegsstaub. Wenn es einen Staubsturm aus der Wüste gibt, sehen wir eine Algenblüte wegen der Nährstoffe, die er ins Wasser bringt.“
Im Gazastreifen gibt es seit drei Jahren einen riesigen und anhaltenden Staubsturm, ein Ergebnis all der Bombardierungen, der Zerstörung, der Asche und des Staubs, die im Laufe des Genozids entstanden sind. Nach Angaben des UN-Satellitenzentrums hat die israelische Armee etwa 81 % aller Gebäude im Gazastreifen zerstört oder erheblich beschädigt. Es handelt sich um mehr als 123.000 vollständig zerstörte Gebäude und etwa 50.000 beschädigte Gebäude. Hinzu kommen die überwiegende Mehrheit der Straßen und der Infrastruktur.
Prof. Eyal Weizman, Gründer von Forensic Architecture, sprach in der Vergangenheit über den enormen Schaden des Baumaterialstaubs, der bei Bombardierungen freigesetzt wird und den Boden für die nächsten hundert Jahre unfruchtbar macht.
Nach Gross‘ Einschätzung wurde der Staub, der von der enormen Zerstörung aufstieg, ins Meer geschwemmt oder geweht und setzte sich dort ab. Ende August kam der außergewöhnliche Sturm, wirbelte das Wasser auf und brachte Mineralien vom Meeresboden nach oben, und diese dienten als Nahrungsquelle für die Algen. „Ein Gebäude ist letztlich zerstoßenes Gestein, und in zerstoßenem Gestein gibt es Mineralien; in Sprengstoffen gibt es Phosphor und Stickstoff, und auch sie sind Nährstoffe für Algen“, sagt Gross und betont wie jeder seriöse Wissenschaftler, dass noch umfassende Forschung nötig ist, um das Ausmaß des Einflusses von Staub und Zerstörung auf die Algen zu untersuchen.
Jetzt können israelische Wissenschaftler vielleicht Forschungsgelder beantragen, um die Folgen der Zerstörung zu untersuchen, die ihre Familienmitglieder angerichtet haben und die die Region systematisch zerstört. Anders als Palästinenser:innen kann Israel die Algen, den Staub, die Giftstoffe in der Luft und die Ratten, die im Gazastreifen zur Plage werden, nicht mit Mauern und Zäunen aufhalten. All das erreicht am Ende auch Tel Aviv.
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