Minneapolis wehrt sich gegen Trumps Terrortruppe

Die Wut ist überall spürbar
von Randy Furst*

Wie die meisten Einwohner von Minnesota und Minneapolis empfinde ich den Angriff der ICE als persönlichen Angriff. Ich lebe seit 1971 hier. Wir sind entsetzt, wütend und haben die Schnauze voll. Das Haus, in dem wir unsere Kinder großzogen, lag nur wenige Straßen von dem Ort entfernt, an dem die ICE am 7.Januar Renee Good erschossen hat. Vor nur zwei Wochen haben meine Frau und ich ihren Geburtstag in einem Restaurant gegenüber dem Ort gefeiert, an dem die ICE am 24.Januar Alex Pretti hingerichtet hat.

Überall ist die tiefe Wut der Gemeinde gegenüber ICE spürbar, die zu einer feindseligen Besatzungsmacht geworden ist. Viele von uns kennen Latinofamilien, die Angst haben, zur Arbeit zu gehen oder sogar den Müll rauszubringen, weil sie befürchten, dass eine ICE-Patrouille sie verhaften könnte. Viele von uns kennen somalisch-amerikanische Bürgerinnen oder Bürger, die Minnesota als ihre Heimat betrachten und nun ihre Pässe und Ausweispapiere bei sich tragen, aus Angst, sie könnten von der ICE aufgegriffen und entführt werden. Einige von uns kennen Native Americans, die ebenfalls in Angst leben, weil sie Menschen mit anderer Hautfarbe sind. Einige wurden verhaftet. Die meisten von uns kennen Leute, die all diejenigen mit Lebensmitteln versorgen, die sich in ihren Häusern verstecken und sich nicht auf die Straße trauen.

Ich habe 52 Jahre lang als Reporter bei der Minnesota Star Tribune gearbeitet, die meiste Zeit in einem vierstöckigen Gebäude in der 425 Portland Ave. Das Haus gibt es nicht mehr. Jetzt befindet sich dort ein Park, in dem sich am 23.Januar 50.000 Menschen versammelt haben, um bei -22 °Celsius eine friedliche, legale Demonstration abzuhalten.

Sie zogen zum Target Center, dem Sitz des (Basketballclubs) Minnesota Timberwolves & Lynx, zu einer Kundgebung. Ihre Forderung war einfach: »ICE raus aus Minnesota!« Mehr als tausend Betriebe schlossen aus Solidarität an diesem Tag ihre Tore. Tausende Einwohner Minnesotas meldeten sich krank und blieben zu Hause. Eine eindrucksvolle Aktion.

Ich glaube, der Protestmarsch war so groß wie die größten Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg in Minnesota, und wir hatten damals große Proteste hier. Donald Trump hat normale Menschen – Arbeiterinnen und Arbeiter, Studierende, Ladenbesitzerinnen und Ladenbesitzer – zu Demonstrant:innen gemacht. Die Leute, die jetzt Protestschilder tragen, sind entsetzt von der Grausamkeit der ICE-Schläger, die sich als Strafverfolgungsbeamte ausgeben und vom Weißen Haus ermutigt und bejubelt werden. Viele betrachten es als ihre Pflicht zu protestieren. Wir sind uns bewusst, dass es heute Minnesota ist, aber morgen könnte es ihr Bundesstaat sein.

Gewerkschaften schützen

Was an den aktuellen Protesten in Minnesota, angefangen mit den Demonstrationen zum No Kings Day, besonders beeindruckt, ist die zentrale Rolle der Arbeiterbewegung, die sich mit Indivisible, dem landesweiten Netzwerk zum Schutz der Einwanderer, mit religiösen Einrichtungen und anderen Gruppen, darunter Frauenrechtsorganisationen, zusammengetan hat.

Das ist etwas grundsätzlich Neues. Die Gewerkschaften unterstützen nicht nur die Proteste, sie spielen auch eine wichtige Rolle bei deren Organisierung. Das Engagement der Minnesota AFL-CIO war ebenso herausragend wie die Rolle der Minneapolis Regional Labor Federation. Das SEIU Local 26 (Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes) war maßgeblich an der Organisation der großen ICE-raus-Demonstration beteiligt, und ein CWA Local (Communication Workers of America) hat seine Büros einem Netzwerk für Einwanderer zur Verfügung gestellt. Es war beeindruckend, sie in Aktion zu sehen. Zahlreiche andere Gewerkschaftsortsgruppen haben sich ebenfalls engagiert.

Als Reporter habe ich mehr als 50 Jahre lang über Demonstrationen berichtet, und wir haben uns an die »üblichen Verdächtigen« gewöhnt, engagierte Aktivisten, die auf die Straße gingen, um gegen Krieg und Rassismus zu protestieren und sich für Frauen- und LGBT-Rechte einzusetzen. Sie waren der notwendige Kern jeder erfolgreichen Bewegung, und es gibt sie immer noch, was großartig ist.

Aber wenn ich heute die Menschenmassen betrachte, die von den Schreckenstaten der ICE mobilisiert wurden, sehe ich neue und frische Gesichter. Viele sind jung, zu jung, um viel über den Massenprotest gegen den Vietnam- und den Irakkrieg zu wissen, geschweige denn über die gigantischen Arbeitskämpfe, die diese Nation einst erschütterten, wie der Streik der Teamsters in Minneapolis 1934.

Noch viel mehr Migrant:innen und Menschen mit anderer Hautfarbe haben sich den Protesten angeschlossen. Es erfordert echten Mut von ihnen mit zu demonstrieren, da sie von den fanatischen ICE-Brigaden ins Visier genommen werden, was an die Terrorherrschaft gegen Schwarze im Süden in den Jahren vor dem Aufkommen der Bürgerrechtsbewegung erinnert.

Wie geht es nun weiter? Ich bin mir nicht sicher, aber ich habe eine Idee. Die ICE muss gestoppt werden, und die grausamen Abschiebungen müssen ein Ende haben. Ich glaube, das Wichtigste, was wir in Minnesota und im ganzen Land tun können, ist, auf der Straße zu bleiben, mit großen, friedlichen, legalen Massenaktionen, mit Demonstrationen, die noch mehr Menschen auf die Straße bringen.

*Der Beitrag ist das persönliche Zeugnis von Randy Furst, seit 2025, nach 52 Jahren Zeitungsreporter im Ruhestand.

Aus: Against the Current, againstthecurrent.org/; indivisible.org/.

Die deutsche Übersetzung des Berichtes erschien in der SOZ, Sozialistische Zeitung, März 2026