Iran: Das Abkommen und die Folgen. Das Trump-Netanjahu-Debakel

Von David Finkel | 02.07.2026

Straße von Hormus: Eine schöne Transportroute für Öl. Es wäre wirklich schade, wenn ihr etwas zustoßen würde …
Quelle: Wikimedia (PD)

Vielleicht wurde Donald Trump nur falsch verstanden: Er hatte stets versprochen, dass der Krieg gegen den Iran mit einer „bedingungslosen Kapitulation“ enden würde; aber er hat nicht erwähnt, dass er es selbst sein würde, der kapituliert.

Aber im Ernst: Trump und einige seiner Berater sind stinksauer auf Benjamin Netanjahu, weil er den US-Präsidenten dazu verleitet hat, den Krieg zu beginnen – mit den absurden Versprechungen eines sofortigen militärischen Sieges, eines raschen Zusammenbruchs des iranischen Regimes und der Einsetzung einer Marionettenregierung nach dem Modell „Venezuela 2.0“. Letztendlich hat Trump vor der Realität kapituliert und nichts von dem erreicht, was er zu Beginn der Operation „Epic Fury“ (Epischer Zorn) arrogant versprochen hatte.

Ein Teil der MAGA-Anhängerschaft ist zornig auf Trump, weil er den Krieg begonnen hat; Viele pro-israelische neokonservative Falken und sogar einige „pragmatische Gemäßigte“ sind verärgert darüber, dass er es versäumt hat, weiterzumachen und „die Sache zu Ende zu bringen“; an den Finanzmärkten drohte Panik angesichts eines weltweiten wirtschaftlichen Aderlasses, sollte der Krieg weitergehen; und vor allem litt die US-Bevölkerung unter dem Inflationsschub infolge des Krieges, den die Menschen (zu Recht) als sinnlos empfanden.

In Israel – wo sich die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung seit dem 7. Oktober 2023 tragischerweise an den Völkermord in Palästina und das katastrophale Leid im Libanon gewöhnt hat – ist Trumps Beliebtheit zu Beginn des Krieges deutlich über die ihres eigenen Premierministers Netanjahu hinaus gestiegen.

Mit dem „Memorandum of Understanding“ zwischen den USA und dem Iran hat Trumps politisches Ansehen in Israel stark gelitten. Was Netanjahu betrifft, so brauchte er den Krieg, um seine Koalition aus Rechtsextremen, religiösen Fundamentalisten und im Grunde genommen neofaschistischen Siedler-Pogromisten aufrechtzuerhalten und zu erreichen, dass seine eigenen Korruptionsprozesse weiter ruhen.

Für diese israelische Regierung ist es daher unerlässlich, das Abkommen zwischen den USA und dem Iran zu sprengen und die Wiederaufnahme dieses verheerenden Krieges zu erzwingen. Das ist der Hauptgrund, warum Israel den Libanon unmittelbar nach der Ankündigung eines weiteren „Waffenstillstandsabkommens“ weiter bombardiert.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich abzeichnet, wohin dies in der Politik von USA, Israel und Iran sowie in der Regionalpolitik insgesamt und der Weltwirtschaft führen wird. Doch wir dürfen nicht übersehen, dass die Völker des Nahen Ostens (oder Westasiens, wie manche die Region heute nennen) und der ganzen Welt in diesem imperialen Debakel zu Kollateralschäden werden.

Die langfristigen Auswirkungen der Blockade der Straße von Hormus haben Folgen für die Hungersnot im Globalen Süden, die frühestens in einem Jahr in vollem Umfang bekannt sein werden.

Israels Besatzungs- und Annexionsterror im Südlibanon bedroht die Existenz des libanesischen Staates. In Gaza und im Westjordanland wird das palästinensische Volk auf dem Altar des Siedlerkolonialismus und der Gleichgültigkeit der USA und Europas geopfert.

Auch wenn das iranische Regime den Krieg gewonnen hat – zumindest was sein Überleben und die Kontrolle über die Straße von Hormus angeht –, so gilt dies nicht für das iranische Volk, das über eine Million neue Arbeitslose zu verzeichnen hat und von dem Anfang dieses Jahres Tausende oder Zehntausende von der Regierung ermordet wurden.

Und vergessen wir nicht, dass der iranische Präsident vor einem Jahr – vor dem „Zwölf-Tage-Krieg“ von 2025, vor den Massenmorden an Demonstrant:innen und vor dem jüngsten Krieg – die Nation warnte, dass die Hauptstadt Teheran „evakuiert“ werden müsse, da ihr letztendlich das Wasser ausgehen würde, als gäbe es für die Bevölkerung irgendeinen Ort, an den sie fliehen könnte.

Die innenpolitischen Krisen im Iran widerlegen das von einigen geopolitischen Expert:innen und einem Teil der antiimperialistischen Linken – die es eigentlich besser wissen sollten – propagierte Szenario, wonach der Iran mittlerweile eine „vierte Weltmacht“ sei.

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran ist ein weiteres Beispiel dafür, wie der Imperialismus Probleme schafft, die er nicht lösen kann. Die Niederlage der USA in diesem Krieg ist zu begrüßen – allerdings ohne sich der Illusion hinzugeben, dass sie in absehbarer Zeit den Weg für fortschrittliche Lösungen ebnen würde oder dass keine weiteren tödlichen Krisen kommen werden.

23. Juni 2026

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Björn Mertens, ISO
Quelle: Against the Current, Nr. 243, Juli/August 2026

Die deutsche Übersetzung des Artikels haben wir der Website der ISO entnommen, danke! https://intersoz.org/das-trump-netanjahu-debakel/